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Angst essen Seele auf

... die Angst auch als solche zu benennen. Wir sagen lieber, dass wir angespannt sind, nervös sind, oder wir sprechen gerne von Stress. Wenn wir es aber nicht einmal wagen, zu unserer Angst zu stehen, so können wir ihre wichtige Funktion für unser Leben auch nicht nutzen.

Das Wort Angst kommt, laut Wikipedia, vom indogermanischen Wortstamm "anghû" und bedeutet soviel wie "beengend" oder "eingeschnürt sein". Spürt man dieses eingeschnürt sein und diese Enge im Brustraum, können wir nicht mehr frei atmen und es schnürt uns die Kehle zu. Das sind die ganz typischen körperlichen Empfindungen von Angst. Hinterher spüren wir das Aufatmen und das Durchatmen, wenn die Angst vorüber ist und wir wieder zu unserer Gelassenheit finden. Manchmal empfinden wir hinterher sogar besondere Lebensfreude und sind stolz, eine bedrohliche Situation überstanden zu haben. Wir können wieder frei durchatmen!

Meistens kennen wir unsere Ängste und wissen auch, dass diese unterschiedliche Qualitäten haben. Manchmal stellen wir eine leichte Anspannung fest und merken, dass sich durch diese leichte Spannung auch unsere Konzentration erhöht. Sänger und Schauspieler nennen diese Spannung "leichtes Lampenfieber". Diese leichte ängstliche Spannung hat sicher auch etwas Lustvolles an sich. Nur, wird eine leichte Spannung zunehmend gesteigert, wird daraus sehr schnell ein unangenehmes Gefühl. Zuerst fühlen wir uns eingeengt, eingeschnürt und blockiert, bis ein helles Angstgefühl sich hin zu einer Panik steigert. Viele Menschen kennen diese feinen Abstufungen und wissen auch, wenn sie "richtige" Angst haben. Da wird's dann völlig unerträglich und wir fühlen uns bedroht. Wir können nicht mehr richtig reagieren und unsere vielgepriesene Souveränität, unser Selbstvertrauen, ist wie weggeblasen. Wir werden hilflos "dumm" und reagieren ungeschickt dumm. Wenn wir unser "dumm sein" bemerken, macht uns das noch ängstlicher und gehemmter, bis wir schließlich kein Wort mehr raus bringen. Ähhh...hmmmmm...

An dieser Stelle müssten wir uns auch über Folgendes Gedanken machen: Haben Menschen die sich sehr dumm anstellen vielleicht einfach Angst, vielleicht sogar Angst vor uns? Angst verändert die Beziehung zu unseren Mitmenschen. Zum Beispiel bringt uns Angst vor Autoritäten oder Autoritätsabhängigkeit zurück in eine "Kindposition". Wir erleben uns mit sehr geringem Selbstwert und fühlen uns in der jeweiligen Situation als inkompetent. Und wie ist meist unsere Reaktion? Entweder wir werden zu hilfesuchenden Opfern, oder wir ziehen uns mit unserer Angst zurück und verdrängen diese. Aber das funktioniert sowieso nicht lange, denn sie kommt wieder. Solche Situationen kommen solange wieder, bis wir daraus gelernt haben.

Eins muss uns auch klar werden: wir brauchen genau die Beziehung zu diesen (bösen) Menschen, um unsere Angst zu erkennen und zu erlösen. Wir werden genau mit solchen Menschen zusammen auch die Tapferkeit vor unseren Ängsten entwickeln. Vielleicht denkst Du jetzt eine Haltung wie diese wäre richtig: " Ich bin doch wer und ich lass mich sicher nicht so einfach unterbuttern...! Ganz nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung!" Mal überlegen, aber ich glaube eher nicht. Aggression bringt uns sicher nicht weiter. Ganz im Gegenteil, denn sie öffnet Tür und Tor für diejenigen, die manipulativ unsere Angst in Aggressivität und Ideologie- Denken umgewandelt sehen möchten. Politik und Religion bietet da mehr als nur ein Beispiel. Darum ist es notwendig Gelassenheit zu entwickeln. (Anmerkung: notwendig kommt ja auch von "die Not wenden"). Ich kann aber nur die notwendige Gelassenheit finden, wenn ich mich meinen realen und irrealen Ängsten stelle. Ich sollte mich fragen: was will die Angst eigentlich von mir? Das Wichtigste ist beharrlich und genau hinzusehen bzw. dahinter zu sehen. Ich sollte herauszufinden, wo die Angst mir meine Erfahrung verschließt, um neue Kompetenzen zu entwickeln.

Das ist sicherlich nicht nur Aufgabe des einzelnen, sondern wäre Aufgabe von uns allen. Keiner muss sich alleine seinen Ängsten stellen. Doch der erste Schritt ist, sich seine Angst einzugestehen und zu wissen, man kann Angst erlösen. Durch diese Erfahrung, dieses Wissen, wächst auch unser Lebenswille und unsere Kreativität ist wieder mehr gefordert. Das wiederum erleichtert uns den Zugang zu dem, was verändert werden muss und bringt uns Sicherheit genau das zu behalten, was uns Halt gibt. Schaffen wir das, dann werden wir authentischer, weil wir wieder mit unseren wahren Gefühlen verbunden sind. So erleben wir mitmenschliche Beziehungen als echt und lebendig, ganz einfach, weil wir es selbst auch sind!

Also, entwickeln wir doch mehr Gelassenheit im Leben. Gelassenheit gegenüber dem "sich bedroht fühlen von Angst", gegenüber "sterben und dem Tod", gegenüber der "vermeintlichen Sicherheit".

Gelassenheit heißt, mit Unsicherheiten zu rechnen und trotzdem nicht aufzugeben. Gelassenheit ist die schönste Form von Tapferkeit, denn sie rechnet mit dem Schlimmsten und vertraut dennoch auf die beste Lösung. Gelassenheit beruht auf dem Vertrauen ins Leben!

Liebe Grüße
Karin