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Braucht die Welt mehr SELBST-Wert?

12.4.2018

Könnte da nicht etwas mehr SELBST-Wert die Lösung sein? Wenn jeder nur an sich denkt, sich verwirklichen will, seinen Freiraum und seine Glückseligkeit sucht, dann zerbrechen leider auch oft Familien und Partnerschaften. Das eigene Wohlfühlen und Glück wird egoistisch höher bewertet, als die Verantwortung dem Partner und den Kindern gegenüber. Facebook und Co sind voll mit Zitaten, dass man sich dieses und jenes nicht mehr antun will, dass man auf falsche Zuneigung verzichtet, dass man lieber ohne Menschen ist, als sich ausnutzen zu lassen. In einigen Posts wird grundsätzlich die Gesellschaft dafür verantwortlich gemacht, dass man so geworden ist, wie man ist und dass es einem nicht gut geht. Dem Leser wird empfohlen mehr an sich zu denken, weil man ein Opfer "der Anderen" sei und das endlich aufhören soll. Aber Vorsicht! Wer sein "Ich" ständig mit solchen Zitaten füttert wird bestimmt nicht glücklicher. 

 

 

Sich SELBST einen Wert zu geben heißt nicht egoistisch zu sein! Mit einem höheren Wert des eigenen SELBST hätten wir eine gute Lösung gegen die Auswüchse, die unsere Gesellschaft in eine verantwortungslose und egozentrische Zukunft führt. Wer seinen Selbstwert kennt und sich dessen bewusst ist, hat keine Angst einem Fremden oder Andersdenkenden zu begegnen. Er braucht sich auch nicht ständig beklagen wie schlecht alles ist, weil die anderen dieses oder jenes sagen- beziehungsweise tun.

 

 

 

 

Warum ist SELBST-Wert für uns und unsere Gesellschaft so wichtig und worauf basiert er?

 

Durch unsere Art wie wir Leben, wie wir arbeiten und wie wir vieles einfach nur mehr konsumieren, entstehen Kriesen und seelische Erkrankungen wie Belastungs- und Anpassungsstörungen, Angst- und Zwangserkrankungen, somatoforme Störungen sowie Persönlichkeitsstörungen. Auffallend dabei ist, dass ein geringes SELBST-Wertgefühl und eine geringe Eigenakzeptanz von Ärzten und Therapeuten als Mitursache und Mitauslöser genannt werden. Ob und wie lange bzw. auch mit welcher Härte ein Mensch von solch einer Störung betroffen ist, scheint maßgeblich von der Konstitution seines SELBST beeinflusst zu werden. Manche meiner Klienten verwenden den Ausdruck "mein ganz normaler Alltagswahnsinn". Erschreckend, oder nicht? Dieses Wissen und meine Erfahrungen im  Praxisalltag führen mir immer wieder vor Augen wie wichtig es ist, dass Menschen den Unterschied zwischen EGOISMUS und SELBST-Wert unterscheiden lernen.

 

 

Aber wie sieht es wirklich in der Geschäfts- und Arbeitswelt vieler Menschen aus? Gewinn- und Erfolgsmaximierung durch rücksichtslose, kurzfristige und unverantwortliche Entscheidungen sind Alltag im Geschäftsleben der Firmen und Finanzwelt und diese Haltung zieht sich bis in den Alltag der "kleinen Leute". Die Manager und Firmenchefs werden aber sicher nicht von Existenznot getrieben, wenn sie - immer mit dem Ziel der Gewinnmaximierung, die natürlich auch eine Maximierung des eigenen Gehalts zur Folge hat - Arbeitsstrukturen menschenunwürdig "optimieren", Mitarbeiter entlassen, riskante Anlage- und Investitionsentscheidungen treffen, Zahlen manipulieren und Unwahrheiten akzeptieren und verbreiten. Treibende Kraft ist wohl eher der maßlose Wunsch nach Anerkennung und Erfolg. Diese Ziel wird blind und voller Ehrgeiz verfolgt - ohne Rücksicht auf Verluste, Anstand oder gar Gesetze. Wie ein Junkie giert dieser erfolgsgetriebene Mensch auf das, was er offenbar in seinem SELBST nicht hat: eine Bestätigung seines WERTES. Die Anerkennung von außen ist deutlich weniger nachhaltig, als das von innen kommende SELBST-Wertgefühl, darum muss regelmäßig nachgelegt werde und natürlich auch gesteigert!

 

 

Jeder Mensch (ob KonzernmanagerIn oder Familienvater/mutter) der ein solides SELBST-Wertgefühl hat ist kein von Erfolgsgier, Anerkennung und Rechthaberei Getriebener. Nur solche Menschen können in ihren Entscheidungen Weitblick und Nachhaltigkeit beweisen und so verantwortungsvolle Wege einschlagen.

 

 

Egozentriker, Einzelkämpfer, Egomanen führen zum "Erkalten" einer Gesellschaft. Darum  ist es wirklich verwunderlich, wenn Menschen schon als Kinder angeleitet werden, dass sie nur einen Wert haben, wenn sie möglichst die Besten und Schlauesten sind und frühzeitig lernen sich mit Ellbogentechnik durchzusetzen. Auch der Konkurrenzkampf vieler Eltern um das "beste Kind" färbt auf den Nachwuchs ab. Frühzeitig wird schon verglichen, welches Kind schon was kann. Angeblich hatten wir noch nie soviele vermeintlich hochbegabte Kinder wie heute. Es ist schön, wenn Eltern für ihr Kind Gutes wollen, aber um welchem Preis? Es ist nicht so schön für das Kind, wenn es in den Zwischenzeilen erfährt, dass es nur dann liebenswert und wertvoll ist, wenn es den Wünschen der Eltern möglichst nahe kommt. Nur wenn ein Kind in seiner Entwicklung erfahren kann, dass es um seiner selbstwillen geliebt wird - und nicht für die Leistungen, das Aussehen oder das Erfüllen bestimmter Rollen und Wünsche der Eltern - nur dann hat es die Möglichkeit sich WERTVOLL zu fühlen und lernt sich selbst zu lieben. Es muss dann nicht andere "wegtreten", um möglichst gut dazustehen. Wo weniger Konkurrenzdenken ist, herrscht auch viel weniger Kälte.

 

 

Scheiternde Beziehungen durch SELBST-Verwirklichung um jeden Preis.

 

Bildhaft gedacht: Nur ein vollgesogener Schwamm kann Wasser abgeben. Ein ausgetrockneter Schwamm wird jeden Tropfen gierig aufsaugen. So ist es in unseren Beziehungen eben auch. Bin ich voller Defizite - das können negative Glaubenssätze sein wie z. B. "... ich bin nicht gut genug für ... ich bin nicht liebenswert; ... ich fühle mich nicht attraktiv genug!" - dann werde ich diese Defizite schnell von außen auffüllen. Ich werde versuchen mir selbst das Gegenteil meiner Grundannahmen über mein mangelhaftes Ich zu beweisen. Ich werde mich nur noch auf mich selbst konzentrieren. Ich werde versuchen mich selbst zu verwirklichen und dabei rücksichtslos werden. Leider ist das vom heilsamen SELBST-Verwirklichen oft sehr weit entfernt, denn solange man nicht am Kern des Problems - nähmlich am mangelnden SELBST-Wertgefühl gearbeitet hat, bleibt alles vollkommen sinnlos. Schnell wird ein neuer Partner gesucht in der Hoffnung er möge doch meine fehlenden Defizite auffüllen, indem er mir ständig seine Liebe und Wertschätzung beweist. Er soll das geben, was ich selbst nicht habe. Er soll mich durch seine Liebe heilen. Diese Ansprüche kann niemand erfüllen und so wird der Partner wieder ausgetauscht, weil er mich nicht genügend liebt. Dazu kommt noch, dass auch der Partner nicht defizitfrei ist und große Erwartungen von beiden Seiten bestehen. Der Satz "Liebe heilt alles" kann nur dann zutreffen, wenn auch ausreichen Eigenliebe vorhanden ist. Ich muss selbst genug Liebe haben, um auch wirklich Liebe geben zu können.

 

 

Wachsene Verängstigung ...! Warum?

 

Wir sind nicht fest verwurzelt im Glauben an uns und unsere Fähigkeiten. Wir sind nicht sicher, dass wir immer einen Weg finden werden, wir sind nicht sicher, dass das, was und wie wir leben, für uns richtig ist. Als Folge davon empfinden wir alles, was uns und unser Leben durch Andersein in Frage stellt, sofort als Bedrohung. Besonders offensichtlich wird dies in Bezug auf das immer noch aktuelle Flüchtlingsthema oder auch bei fremden Religionen. Angst, wodurch immer sie auch geschürt wird, ist ein einfaches Machtinstrument für diejenigen (Populisten ect.), die sie schüren. Ängstliche Menschen suchen Schutz, darum suchen sie Führer. Ängstliche Menschen stellen auch keine Fragen, solange sie als Gegenleisten das Gefühl von Sicherheit erhalten. Deshalb werden wir von schlechten Nachrichten und Katastrophenmeldungen überschwemmt, auch wenn es statistisch gesehen sicher genausoviele gute Nachrichten zu verbreiten geben würde. Angst ist ein Art Urinstinkt. Die körperliche Reaktion ist weitgehend automatisiert und der Verstand hat hier wenig Möglichkeit einzuwirken. Und genau das ist es, was eine Verängstigung der Menschen auch so gefährlich macht. Sie agieren in einer Art "Neandertaler-Modus" wodurch eine Reflexion mit gesundem Menschenverstand nicht mehr möglich ist. Dadurch macht Angst unfrei. 

 

 

Ein solides SELBST-Wertgefühl ist sicher keine Garantie für Angstlosigkeit. Aber da wo Wertgefühl ist, hat es die Angst auch schwerer sich zu verbreiten und der Mensch hat die Chance selbstbestimmt zu entscheiden. Vieles in unserer Welt könnte besser und menschlicher sein, wenn es mehr Akteure mit SELBST-Wertgefühl, statt manipulierte Marionetten geben würde. Statt Defizitbekämpfung, Egomanie und Kompensation der eigenen Minderwertigkeit könnte wieder mehr Rücksichtnahme, Mitgefühl und Verantwortung im Mittelpunkt stehen. Man muss sich dann auch nicht dauernd als Opfer sehen, sondern könnte die Verantwortung für eigenes Denken und Handeln übernehmen. Man muss dann auch nicht angstgesteuert irgendwelchen vermeintlichen "Rettern" nachlaufen. 

 

Der Weg zu sich SELBST ist gerade am Anfang sehr holprig. Oft hilft die Wegbegleitung eines erfahrenen Therapeuten oder Berater. Solche Menschen dienen quasi als Geburtshelfer und unterstützen dabei ein gesundes SELBSTWertgefühl auf die Welt zu bringen.

Ich wünsche Deinem SELBST alle Liebe!
Karin